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VORACHÄMENIDISCHE PHASE

Phryger in Daskyleion

Antike Quellen berichten von drei Einfällen der Kimmerier in Westanatolien. Kaletschs lydischer Chronologie zufolge fanden sie in den Jahren 667, 652 und 645 v. Chr. statt. Mehrere Stadtstaaten Westanatoliens sanken in Schutt und Asche. Glücklicherweise nun stießen wir in Daskyleion auf jene Zeit betreffende Brandschichten mit gut datierbarer mittel und spätprotokorinthischer Keramik und entsprechenden Architekturteilen. Sie gehören einer Period an, welche zeitgleich sein könnte mit jenem Daskylos, der dann hier an diesem Ort zusammen mit Phryger gelebt hatte. Im 8. und 7. Jh. scheint Daskyleion noch nicht im Herschaftsbereich der lydischen Dynastie gelegen zu haben; die Gegend wird von den antiken Quellen jedenfalls als phrygisch bezeichnet. Falls die Stadt auf dem Hisartepe nach dem Vater des Gyges benannt sein sollte, so trug sie zweifellos zu jener Zeit noch einen anderen Namen, den wir jedoch bis jetzt noch nicht in Erfahrung bringen konnten. Den Namen des Sees aus dieser Zeit aber kennen wir; er lautet: Aphnitis Limne. Wie die Brandschichten erkennen lassen, wurde die phrygische Siedlung zerstört und mit ihr ein Tempel, dessen Lehmziegelwände im Feuer der Zerstörung gebrand wurden. Von seinem Fundament war schlecht erhaltene Reste geblieben (Abb. 004.001). Ein Hals und Schulter Fragment (Abb. 012.006) von einer in die spätgeometrischen Phase datierbaren korinthischen Oinochoe über diesem Fundament bildet ein terminus post quem für diesen Bau, der- so läßt sich folgern- nicht früher als 750 v. Chr. errichtet worden sein kann. Wenn uns auch der genaue Grundriß (Abb. 004.002) dieses Tempels noch nicht deutlich geworden ist, so sind einige Funde aus der unmittelbaren Umgebung des Heiligtums umso aufschlußreicher. Unter anderem wurden neben dem Fundament mehrere kleinfunde in einer Grube entdeckt, die mit dem Gebäude inhaltlich in einem Zusammenhang stehen und gleichzeitig die Funktion von Grube und Gebäude erklären. Die Grube ist nämlich ein sog. Bothros, d.h. eine Vertiefung, in welcher zeremonielle- und damit heilige- Geräte und Gegenstände niedergelegt wurden: eine große, dunkelgraue phrygische Öllampe (Abb. 004.007), mehrere Würfel aus Ton (Abb. 004.006), zahlreiche Omphalosschalen und Hörner von Tierfiguren, ebenfalls aus Ton (Abb. 004.007). Sie sind Attribute eines ganz bestimmten Kultes, des Kultes der Kybele, der Hauptgöttin der Phryger. Zum Heiligtum gehört auch ein überdeckter Opferkanal (Abb.004.003) aus exakt verlegen rechteckigen Steinplatten, welcher das Blut der geopferten Tiere auffing. Der jüngst gemachte Fund einer goldenen Perle neben diesem Kanal läßt darauf schließen, daß man für den Opferritus Zeremonialkleidung mit wertvollem Schmýck trug ! Offen bleiben mußte bislang, welche Art der Opferung (Taurobolium ?) hier stattgefunden hat. Die lebensgroße Skulptur eines Löwen aus Marmor könnte ebenfalls zu dem Tempel gehören ( Der Löwe wurde vor vielen Jahren zum Dorf “Duraköy” getragen)

Entgültig geklärt werden konnte die Zuordnung des Tempels durch die Begegnung eines Tempelmodells aus Kalkstein (Abb. 004.004) mit rot bemalten Architekturteilen. Lunulare ( oder auch hornförmige) Akrotere, wie sie auch diese Modell aufweist, sind in Kleinasien für den Kybelekult bezeugt, so daß die Funktion unseres Gebäudes wohl einduetig ist. Die mit roter Farbe bemallten, auf der Vorderseite neben der großen Tür stehenden beiden Säulen mit ionischen Kapitellen deuten auf ein templum in antis. Gefunden wurde das Tempelmodell in einer Schicht, welche sich mit Hilfe gut datierbarer Keramik (Abb. 004.005) in die Mitte des 7. Jh. einordnen läßt.

Die phrygische Stadt des 7. Jh. besaß eine Stadtmauer (?) (Abb. 010.001), von der 1995 ein Teil gegraben werden konnte. Sie liegt im SO, am Fuß des Hügels und besteht aus rechteckigen Kalksteinblöcken. Bis jetzt haben wir nur sechs Lagen des Mauerfundaments entdeckt, deren Höhe insgesamt 2 ½ m beträgt. Der obere Teil der Mauer bestand sicherlich aus Lemziegeln, deren Spuren wir jedoch noch nicht entdecken konnten. Aber auch Teile einer Bastion bzw. Eines Tores kamen ans Tageslicht (Abb. 010.002). Die Tatsache, daß sich diese phrygische Stadtmauer am Fuße des Siedlungshügels befindet, verweist auf Umfang und Bedeutung der phrygischen Stadt (?) im 7. jh. v. Chr.

In diese Periode gehören auch einige Bronzefunde: ein Fibel (Abb. 013.004) von “thessalischer” Form (nach Blinkenberg) und mehrere Pfeilspitzen. Zahlreiche qualitätsvolle Scherben verschiedener Kulturen beweisen Wohlstand und einen hohen Lebensstandart der Bevölkerung. Neben der phrygischen und aiolischen grauen Keramik (Abb. 012.001; Abb. 012.002; Abb. 012.005) finden sich auch lydisch-subgeometrische Gefäße, Scherben von bemalten phrygischen Gefäßen (Abb. 012. 004), Scherben mit phrygischen und lydischen Graffiti, wie etwa eine graumonochrome Schale mit den phrygischen Buchstaben saragis.magx auf seiner Lippe (Abb. 004.010) sowie Teller und Deckel der sog. “Ephesian Ware”. Teile solchen Tafelgeschirrs sind in verbranntem Zustand auch in den kimmerischen Zerstörungsschichten gefunden worden.

Es ist offenkundig, daß es den Bewohnern der Stadt Daskyleion, den Phrygern, etwa 20 Jahre nach dem letzten kimmerischen Einfall wieder besser ging, denn ab 625 etwa beginnt erneut der Handel mit den westanatolischen Stadtstaaten. Dies läßt sich archäologisch nachweisen durch den Fund von sog. Frühorientalisierenden Gefäßen des Tierfriesstiles (Abb. 012.009 und Abb. 012.010), die im letzten viertel des 7. Jh. in Mode kamen.

Zu Anfang der archaischen Epoche scheint Daskyleion bereits im Machtbereich der lydischen Könige gelegen zu haben. Zwar gilt die Stadt zu dieser Zeit als lydisch- bis Kyros den lydischen Herrscher Krösus besiegt und seine Hauptstadt Sardis erobert (547/6) -, doch scheint die phrygische Bevölkerung nicht vertrieben worden zu sein, und bis zum Ende des Achämenidenreichs lassen sich vereinzelte phrygische Spuren verfolgen, die zu blegen scheinen, daß es in Daskyleion Phryger gab bis in die hellenistische Zeit.

Ein Votivblock (Abb. 004.011) etwa trägt eine phrygische Inschrift. Er wurde während der dritten Ausgrabungskampagne , 1990, in dem Kösemtug-Tumulus freigelegt (Abb. 019.001). Er hatte als Schwellenstein zu der ebenfalls marmorenen Grabtür eine sekundäre Verwendung gefunden und man hatte ihn für diese neue Funktion maßgerecht zugeschnitten. Leider ging dadurch ein Gutteil der Inschrift verloren, lediglich die letzten vier Zeilen blieben erhalten:

Transkription der Inschrift (Roberto Gusmani):

Z. 1 stalake . cekm?(..)s?ke(.....)i?yo?(-4 Buchstaben)
2 d?x?s?i?(...)n? . e?ventnoktoy . emetetariyois
3 (-10 Buchstaben)y : yostumoy : cekmatin
4 (-11 Buchstaben)atonkeyen (vacat)

Mehrere buchstaben im oberen rechten Teil des Blockes wurden darüber hinaus durch die kreisförmige Einbettung der Türpfosten zerstört. Letzter Umstand beweist ebenfalls, daß sich der Stein nicht in situ befindet, sondern daß er als Spolie im Tumulus wiederverwendet wurde. Dem neugefundenen Text kommt insbesondere deswegen Bedeutung zu, weil es sich 1. um den westlichsten epigraphischen Fund in Phrygischer Sprache handelt und weil mit ihm 2. ein sicherer Beleg für die Anwesenheit der Phryger in dieser Gegend vorliegt. Offen bleiben muß vorläufig noch die Frage, ob diese Votivinschrift zum Tempel der Kybele gehörte.

Eine persoanatolische Grabstele mit phrygischer Inschrift wurde im Jahre 1997 gefunden (Abb. 011.010). Auf Grund der vergleichbaren Beispiele der ikonographischen und stilistischen Aspekte muß diese Stele (Die Manes Stele) in die erste Hälfte des 5. Jhs datiert werden.

Transkription der Inschrift des Manessteles (Roberto Gusmani) :

1. (.)tat: smanes iyungidas manitos apelev porniyoy est (.?)
2. (..)xes va(?)knais manuka odeketoy meroske manes isyos tiv(?)
3. (?)nke devu(x)skv umnotan ordoineten mekos aniya.eti smanin

Auf einer attischen Schale vom Beginn des 5. Jh. steht in phrygischen Buchstaben das Wort VANA(X). Meine Deutung ist, daß ein adliger Phryger (nicht ein Perser !) das Amt des Mundschenkens im Dienste des Satrapen Megabates ausübte und diese Bezeichnung in seiner Muttersprache auf die Unterseite der Schale schrieb, damit er die Trinkschale seines Herre nicht mit den anderen verwechseln würde.

Ein anderer interessanten Fund bezeugt die Anwesenheit von Phrygern noch in der Mitte des 4. Jhs. V. Chr. Es handelt sich um einen attisch-schwarzgefirnißten Kantharos aus dem Jahre 350 v. Chr., der von wiederum einem adligen Phryger dem Heiligtum als Weihgabe geschenkt wurde. Auf der Lippe der Trinkschale hat der besitzer in phrygischen Buchstaben das Wort KAREA eingerizt (Abb. 004.009). 
(Tomris Bakýr)


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